In einem früheren Beitrag ging es darum, dass KI-Transformation drei Faktoren braucht: Technik, Mensch und Sicherheit. Fehlt einer, bleibt die Wirkung aus. Heute möchte ich auf ein Muster schauen, das mir in Organisationen gerade fast überall begegnet. Es betrifft die Menschen, und die Lösung liegt überraschend oft bei der Sicherheit.
Zwischen Euphorie und Angst
Gefühlt bewegen wir uns gerade auf einer Linie zwischen zwei Extremen.
Auf der einen Seite stehen die KI-Enthusiasten. Sie probieren alles aus, sofort und überall. Sie sind wertvoll für jede Organisation, weil sie zeigen, was möglich ist, und andere mitziehen. Sicherheit denken sie aber selten mit. Daten landen in Tools, die niemand freigegeben hat, und häufig weiß nicht einmal die Führung davon.
Auf der anderen Seite stehen Menschen, die KI gar nicht nutzen. Sie trauen sich das nicht zu, das Wissen reicht noch nicht, oder es gibt Ängste: etwas falsch zu machen, gegen eine Regel zu verstoßen, oder dass die eigene Arbeit an Wert verliert. Diese Zurückhaltung ist verständlich. Für die Organisation führt sie trotzdem zu Stillstand.
Beide Extreme sind ein Risiko. Das eine führt zu Schatten-KI, das andere dazu, dass die Investition in KI nicht ankommt. Und oft gibt es beides im selben Unternehmen, manchmal sogar im selben Team.
Warum Verbieten und Laufenlassen nicht helfen
Viele Organisationen reagieren auf eine der beiden Arten. Entweder sie verbieten erst einmal alles, bis eine Richtlinie steht. Die Enthusiasten weichen dann auf private Tools aus, und die Verunsicherten fühlen sich bestätigt, dass KI gefährlich ist. Oder sie lassen es laufen. Dann wächst die Schatten-KI, und die Zurückhaltenden bleiben, wo sie sind.
In beiden Fällen bewegt sich der Regler weiter an die Ränder.
Leitplanken und Halt
Gut justierte Sicherheit kann beide Seiten in die Mitte holen. Den Enthusiasten gibt sie Leitplanken. Es gibt ein freigegebenes Tool, und es ist klar, welche Daten hineindürfen und welche nicht. Die Energie bleibt erhalten und bekommt eine Richtung.
Den Verunsicherten gibt derselbe Rahmen Halt. Wer weiß, was erlaubt ist, muss keine Angst haben, etwas falsch zu machen. Dazu gehören Raum zum Ausprobieren, erste konkrete Anwendungsfälle und eine Ansprechperson für Fragen. So wird aus „Ich trau mich nicht“ ein erster Versuch.
Sicherheit ist in diesem Bild keine Bremse, sondern das, was Bewegung möglich macht. Ein Auto hat ja auch Bremsen, damit man schnell fahren kann.
Eine Frage an dich
Wo stehen deine Mitarbeitenden auf diesem Regler? Und hilft dein Sicherheitsrahmen heute beiden Seiten, oder schreckt er vor allem ab?